{"id":3340,"date":"2024-11-23T18:31:59","date_gmt":"2024-11-23T16:31:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.weinfreunde-vom-hellweg.de\/alex\/wordpress\/?page_id=3340"},"modified":"2024-11-23T18:36:00","modified_gmt":"2024-11-23T16:36:00","slug":"weinreise-mittelrhein-ahr","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.weinfreunde-vom-hellweg.de\/alex\/wordpress\/?page_id=3340","title":{"rendered":"Weinreise Mittelrhein \/ Ahr"},"content":{"rendered":"\n<p>Freitag, 30.04.2010 bis Sonntag, 02.05.2010<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Freitag, 30.04.2010<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich um 8 Uhr begann die Reise mit 24 Teilnehmern am Bahnhof Unna zum ersten Ziel, dem Weinbaugebiet Mittelrhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit den 1960er Jahren war der Weinbau in diesem Anbaugebiet stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Von ehemals 2000 ha werden derzeit lediglich noch 450 ha f\u00fcr den Weinanbau genutzt. Es wurden damals \u00fcberwiegend Massenweine f\u00fcr die Sektindustrie produziert, mit denen langfristig kein kostendeckender Anbau m\u00f6glich war. Zudem erschwerten arbeitsintensive Steillagen und kleine Parzellen den Anbau. In den letzten Jahren hat sich aber immer mehr der Qualit\u00e4tsgedanke durchgesetzt und unter dem Motto \u201eWeniger ist mehr\u201c haben sich f\u00fcnf junge Winzer unter dem Namen \u201eGipfelst\u00fcrmer\u201c zusammen gefunden, um aufgegebene Steillagen zu retten und verlorenes Terroir zur\u00fcckzuholen. So soll die Anbaufl\u00e4che des Mittelrheins in den n\u00e4chsten Jahren wieder auf 500 ha gesteigert und ein Beitrag zum UNESCO- Weltkulturerbe Mittelrhein geleistet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorbei an der Burgruine Rheinfels fuhren wir zu unserem ersten Ziel, dem Weingut Philippsm\u00fchle in einem Nebental des Rheins bei St. Goar. 2006 \u00fcbernahmen die Br\u00fcder Martin und Thomas Philipps die Getreidem\u00fchle und Winzerschenke vom Vater und r\u00fcckten den Weinbau in den Vordergrund. Auf \u00fcberwiegend Devonschieferb\u00f6den in Steillagen werden 90% Riesling und 10% M\u00fcller-Thurgau angebaut. Im Vordergrund stehen qualit\u00e4tsorientiertes Arbeiten im Weinberg und eine anschlie\u00dfende, schonende Traubenverarbeitung und \u2013verg\u00e4rung. So entstehen leichte fruchtige Weine mit mineralischen Noten. Die Weine werden direkt vermarktet und in den beiden Winzerstuben in St. Goar und in der M\u00fchle ausgeschenkt. Thomas Phillips stellte uns einen trockenen M\u00fcller-Thurgau, vier trockene bis halbtrockene und einen lieblichen Riesling vor. Begleitend zur Weinprobe wurde ein Dreigangmen\u00fc mit B\u00e4rlauchs\u00fcppchen, gef\u00fcllter Braten mit gratinierten Kartoffeln, Erdbeer-Rhabarbergr\u00fctze serviert. Die Speisen harmonierten sehr gut mit den gereichten Weinen. Nach einer kurzen Kellerf\u00fchrung fuhren wir mit dem Bus weiter nach St. Goar, einem stark vom Tourismus gepr\u00e4gten St\u00e4dtchen am Rhein. Der Nachmittag stand zur freien Verf\u00fcgung, was auf die unterschiedlichste Art mit einem Bummel durch St. Goar, einem l\u00e4ngeren Spaziergang am Rhein entlang oder dem Besuch der Burgruine Rheinfels genutzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend setzten wir unsere Reise per Schiff rheinabw\u00e4rts mit der \u201eMS Godesburg\u201c bis Boppard fort. Von hier ging es direkt mit unserem Bus zu unserem Hotel \u201eAlter Posthof\u201c in Spay am Rhein.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gem\u00fctliche drei Sterne Hotel ist seit acht Generationen familiengef\u00fchrt, mit einem herrlichen Biergarten. Obwohl Spay direkt am Rhein liegt, blieb man hier vom touristischen Rummel, wie etwa in St. Goar oder Boppard, weitgehend verschont und konnte die herrliche Umgebung in Ruhe genie\u00dfen. Nachdem wir im Hotel eingecheckt und die Zimmer bezogen hatten, ging es auch schon zum VDP-Weingut Matthias M\u00fcller, das direkt an das Hotel angrenzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit 300 Jahren wird auf dem Gut Weinbau betrieben, seit 25 Jahren ist es ein reiner Weinbaubetrieb. Die Betriebsgr\u00f6\u00dfe betr\u00e4gt 12,5 ha, es werden Riesling (91%), Grauburgunder und eine geringe Menge Sp\u00e4tburgunder als Rose oder Blanc de Noir angebaut. Es wird gro\u00dfer Wert auf die Erhaltung der Individualit\u00e4t der Weine gelegt, filigrane Rieslinge mit mineralischer Note. Die Trauben stammen alle aus der Lage \u201eBopparder Hamm\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden im Vorhof des Weingutes gereichten Weine, ein Rieslingsekt brut und ein Riesling Kabinett trocken, \u00fcberzeugten schon einmal und machten neugierig auf die bevorstehende Weinprobe in unserem Hotel. Zuvor f\u00fchrte uns aber noch ein kurzer Spaziergang durch Spay an den Rhein, vorbei an gepflegten und liebevoll restaurierten Fachwerkh\u00e4usern.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Abschluss des ereignisreichen Tages bildete das gemeinsame Abendmen\u00fc im \u201eAlten Posthof\u201c, begleitet von Herrn Matthias M\u00fcller, der uns einen Sp\u00e4tburgunder Rose, einen Grauburgunder und je einen trocken und feinherben Riesling sowie eine Auslese vorstellte. Als Viergangmen\u00fc wurde Spargelsalat, Safranschaumsuppe, Kalbsr\u00fccken mit Steinpilzsauce und Ubeparfait, einer kartoffel\u00e4hnlichen Wurzel von den Philippinen mit dem Aroma gebrannter Mandeln serviert. Ein fantastisches Men\u00fc mit hervorragenden Weinen aus dem Weingut Matthias M\u00fcller.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Samstag, 01.05.2010<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Mai pr\u00e4sentierte sich zun\u00e4chst wolkenverhangen und leicht regnerisch, aber schon w\u00e4hrend unserer Busfahrt in das Ahrtal riss die Wolkendecke auf und wir bekamen einen sonnigen, warmen Fr\u00fchlingstag.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer kurzen Wanderung ab dem Parkplatz \u201eR\u00f6mervilla\u201c bei Ahrweiler erreichten wir unseren ersten Tagesprogrammpunkt, die Dokumentationsst\u00e4tte Regierungsbunker. Tr\u00e4ger dieser Dokumentationsst\u00e4tte ist der Heimatverein Alt Ahrweiler, der auch die F\u00fchrungen organisierte. In den Jahren 1962 \u2013 1972 wurde hier in aufgegebenen Eisenbahntunneln ein ABC sicherer Regierungsbunker als Ausweichsitz der Bundesregierung errichtet. Die Anlage erstreckte sich \u00fcber 19 km L\u00e4nge, und konnte \u00fcber vier Haupteing\u00e4nge betreten werden. Der Bunker war st\u00e4ndig mit ca. 150 Personen besetzt und sicherte im Falle eines ABC- Angriffs das \u00dcberleben von ca. 3000 Menschen f\u00fcr 30 Tage. Um die Anlage f\u00fcr einen ABC- Angriff zu sichern war ein enormer Aufwand an Technik notwendig, um beispielsweise die Luft- und Wasserversorgung zu gew\u00e4hrleisten.<br>Ab 1998 wurde der gr\u00f6\u00dfte Teil des Bunkers, mit Ausnahme des Bereichs der heutigen Dokumentationsst\u00e4tte, entkernt. Durch Schleusen mit m\u00e4chtigen Betontoren, die im Ernstfall in wenigen Sekunden geschlossen werden konnten, erreichten wir das innere des Bunkers. Anhand der noch erhalten gebliebenen Betriebsst\u00e4tten, Schlaf- Wohn und Sozialr\u00e4ume, konnten wir uns ein gutes Bild von den Ausma\u00dfen und dem eingeschr\u00e4nkten Leben an einem solchen Ort machen und manch einem lief in der bedr\u00fcckenden Enge und N\u00fcchternheit des Bunkers ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Eingang des Dokumentationszentrums trafen wir Herrn Paul Gieler, der uns durch die angrenzenden Weinberge f\u00fchrte und viel Wissenswertes zum Weinbau, der Ahr und Ihren Menschen zu berichten wusste. Die Wanderung f\u00fchrte uns bis nach Walporzheim und wir hatten herrliche Ausblicke \u00fcber das Ahrtal. Bemerkenswert sind auch hier die Steillagen, die von bis zu 1000 Jahre alten Trockenmauern gehalten werden und den Charakter der Kulturlandschaft pr\u00e4gen.<br>Im Anschluss an die Wanderung gab uns Herr Gieler im Ahr- Wein Forum des Ahrweiler Winzer-Verein e.G. bei Kaffee und Kuchen eine Einf\u00fchrung in den Weinbau der Ahr. Diese erstreckt sich \u00fcber 89 km, davon werden 34 km weinbaulich genutzt. Die Anbaufl\u00e4che f\u00fcr Reben betr\u00e4gt ca. 558 ha mit ca. 3 Millionen Rebst\u00f6cken. 88% der Fl\u00e4che wird f\u00fcr den Anbau von Rotwein genutzt. Im Jahresdurchschnitt werden 1450 Sonnenstunden registriert, der Temperaturdurchschnitt betr\u00e4gt 9,8\u00b0C und es fallen 600 mm Niederschlag. Zur Vertiefung des soeben erlernten begaben wir uns in den Keller des Winzer-Vereins, wo wir zwei herrliche Sp\u00e4tburgunder und einen seltenen Fr\u00fchburgunder Barrique direkt aus dem Fass probieren durften.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Tag schlossen wir im Ambiente des musealen Saales des Ahr- Wein Forum mit einem herrlichen Vier- G\u00e4nge- Men\u00fc des angrenzenden Restaurant \u201eLanz\u201c ab. Es wurden bunte Fr\u00fchlingssalate mit Entenbrustscheiben, ein Erbsencremes\u00fcppchen Kalbsr\u00fccken auf Spargel- Morchelragout und Mangomousse im Baumkuchenmantel serviert. Begleitet wurde der Abend von Herrn Gieler, der uns sieben verschiedene Weine der Ahr, ein wei\u00dfer Burgunder, ein Regent, ein Fr\u00fchburgunder, einen Cuvee und drei Sp\u00e4tburgunder vorstellte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4t am Abend fuhren wir dann zu unserem Hotel \u201eAppel\u201c in Rech. Da es schon sehr sp\u00e4t und der Tag sehr anstrengend war fiel der geplante Absacker leider aus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonntag, 02.05.2010<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Mai begr\u00fc\u00dfte uns wolkenverhangen und regnerisch und der Wechsel von regnerischen und sonnigen Abschnitten blieb uns den ganzen Tag erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu unserer ersten Weinprobe trafen wir etwas zu fr\u00fch ein und hatten daher Zeit zu einem kurzen Spaziergang durch den Weinort Dernau. Anschlie\u00dfend besuchten wir dann das VDP- Weingut H.J.Kreuzberg. Das Weingut umfasst eine Fl\u00e4che von 8,5ha. Zudem wird mit zugekauften Weinen aus anderen Anbaugebieten gehandelt. Die Vermarktung erfolgt \u00fcber eine Strau\u00dfenwirtschaft und in Eigenregie. Der Gro\u00dfteil der Produktion besteht aus Rotweinen. Die Weinprobe fand im Verkostungsraum im Keller statt, der in Farbe und Einrichtung an ein toskanisches Weingut erinnerte. Die Probe, vorgestellt von Herrn Stodden, umfasste insgesamt acht Weine, einem trockenen Sekt und einem Wei\u00dfburgunder (beide zugekauft), drei Sp\u00e4tburgunder, einem Dornfelder, einem Fr\u00fchburgunder und einem Cabernet Sauvignon. Zum Ende der Probe entwickelte sich bei einigen Weinfreunden eine anregende Diskussion \u00fcber den Sinn des Anbaus von Cabernet Sauvignon an der Ahr. Etwas schade war zudem, dass einige der Weine von au\u00dferhalb der Ahr stammten und das Angebot des Weingutes preislich eher im oberen Bereich rangierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend ging es mit dem Bus weiter zur Maibachfarm in Bad Neuenahr- Ahrweiler. Vom Busparkplatz aus ging es noch entlang der Zufahrtsstra\u00dfe ca. 15 Minuten einen leichten Anstieg durch, ein landschaftlich reizvolles Tal hinauf zu der Farm. Die Maibachfarm wurde 1998 als landwirtschaftlicher Betrieb gegr\u00fcndet mit dem Streben \u201eim Gleichklang mit der Natur\u201c und der Bewirtschaftung nach \u00f6kologischen Richtlinien. Nach einem reichhaltigen Mittagsbuffet f\u00fchrte uns Herr Mattern durch das Gut. Die Weinerzeugung erfolgt ausschlie\u00dflich nach \u00f6kologischen Prinzipien. Zudem werden mit der hauseigenen Brennblase Br\u00e4nde und Lik\u00f6re hergestellt und eine Schafsk\u00e4seproduktion aufgebaut. Der Weinkeller war ausgestattet mit modernster Technologie und temperaturgesteuerten Edelstahltanks. Die Vermarktung der Produkte erfolgt \u00fcber den hofeigenen Laden und das Restaurant. Die Weinprobe fand im Barriquekeller statt. \u00dcber eine Natursteinwand wird st\u00e4ndig Wasser verdunstet, um die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten. Vor dieser Kulisse war eine lange Tafel aus schweren Eichenm\u00f6beln f\u00fcr die Weinprobe aufgebaut, den Hintergrund bildeten Reihen von Holzf\u00e4ssern. Zur Weinverkostung wurden ein halbtrockener Riesling und je zwei Sp\u00e4t- und Fr\u00fchburgunder gereicht, die einen w\u00fcrdiger und genussreicher Abschluss der Reise waren.<br>Als letzter Programmpunkt war ein Besuch des Arp- Museum im Bahnhof Rolandseck s\u00fcdlich von Bonn vorgesehen. Aufgrund der leider fortgeschrittenen Zeit war der Besuch des Museums nicht mehr m\u00f6glich. So wurde \u201eKaffee und Kuchen\u201c auf der Terrasse des Restaurants im historischen Bahnhofsgeb\u00e4ude zu unserem letzten Programmpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Um 20:20 Uhr erreichten wir wohlbehalten den Bahnhof Unna, den Endpunkt unserer Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Reisebericht von Andreas Braier<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 30.04.2010 bis Sonntag, 02.05.2010 Freitag, 30.04.2010 P\u00fcnktlich um 8 Uhr begann die Reise mit 24 Teilnehmern am Bahnhof Unna zum ersten Ziel, dem Weinbaugebiet Mittelrhein. Seit den 1960er Jahren war der Weinbau in diesem Anbaugebiet stark r\u00fcckl\u00e4ufig. 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