Toskana 2006

Reise in die Toskana vom 20. bis 27. Mai 2006

Man könnte oder sollte doch einmal eine Reise nach Italien organisieren!! Diese so vage bei verschiedenen Treffen der Weinfreunde immer mal wieder vorgebrachte Überlegung nahm Ende 2005 plötzlich konkrete Gestalt an. Natürlich musste und konnte die 1. Reise eigentlich nur in die Toskana gehen: Wo findet man sonst auf so dichtem Raum so wunderbare Städte, eine reiche Geschichte, Kulturdenkmäler von atemberaubender Schönheit, eine Landschaft vielfältig und schön, eine hochgelobte Küche und natürlich Wein vom Feinsten. Das Programm war schnell skizziert: Fürs erste Mal konnten es nur die bekannten Höhepunkte sein wie Florenz, Siena, Lucca, Pisa, San Gimignano und Volterra, die die Reise bestimmten.

Nach Ausschreibung der Fahrt fanden sich zum Glück für uns als Organisatoren schnell so viele Interessenten, dass wir die Teilnehmerliste bei 27 Personen schließen und eine Warteliste anlegen mussten.

Als Quartiermeister erwiesen sich Heidi und Reiner Schäfer. Sie empfahlen uns das Hotel „Albergo del Chianti“ in Greve, wo sie selbst einige Jahre vorher bei einer Gruppentour ins Chiantigebiet gut untergebracht waren. Der Tipp erwies sich als goldrichtig. Greve liegt im Zentrum des Chiantigebietes. Von dort waren unsere Wunschziele in ein bis zwei Stunden Busfahrt schnell zu erreichen. Der Ort selber verfügt über einen wunderschönen, dreieckigen Marktplatz, der gefaßt ist von zwei bis dreistöckigen Gebäuden mit vorgelagerten Arkadengängen, auf denen sich mit Blumen geschmückten Balkone befinden.

Neben einer weit gerühmten und in jedem Reiseführer erwähnten Metzgerei, die toskanische Salami höchster Qualität und in allen Variationen aus Haus- und Wildschwein und natürlich besten Schinken produziert, gab es im Ort, wie wir erfreut feststellen durften, auch hervorragende Restaurants, deren Küche wir an drei Abenden genießen konnten.

Dank Easyjet konnten wir von Dortmund-Wickede sehr günstig bis Mailand fliegen. Von dort ging es mit dem Bus nach Greve. Und dieser Bus sollte uns dann in den kommenden Tagen zu unseren einzelnen Zielen bringen.

Es führt zu weit, im Rahmen dieses Berichtes die einzelnen Stationen ausführlich zu beschreiben. Daher möchte ich nur einige Höhepunkte hervorheben.

Florenz stand am 1. Tag, Sonntag, den 21. Mai auf dem Programm. Bernhard Krella hatte eine sehr gute Stadtführerin gebucht, die uns in gut 2 Stunden bei schönem Wetter und noch erträglicher Wärme durch die Altstadt lotste. Dom, Campanile, Baptisterium oder Ponte Vecchio, die Piazza della Signoria mit dem Pallazo Vecchio

und dem Davidreplikat von Michelangelo waren u. a. die Stationen. Die Schönheit der Plätze und Gebäude und die Geschlossenheit des Stadtbildes waren beeindruckend. Leider waren wir nicht die einzigen Touristen in der Stadt. Daher mussten wir aus Zeitgründen auf eine Innenbesichtigung des Domes verzichten. Erschöpft und pflastermüde waren wir froh mittags eine Pause einlegen zu können, bevor es dann am Nachmittag in die Uffizien ging. Beeindruckend war der U-förmige Bau, der sich vom Palazzo Vecchio bis zum Arno erstreckt; überwältigend und in ihrer Fülle letztlich ermüdend waren die dort versammelten Kunstwerke. Herrlich der Blick von der Schmalseite des Gebäudes in den langgestreckten Hof der Uffizien hinüber zum Palazzo Vecchio und zur Kuppel des Domes; noch schöner aber der Ausblick auf den Arno und den Ponte Vecchio. Müde erreichten wir unseren Bus. Während der knapp einstündigen Rückfahrt durch eine wunderschöne Landschaft konnten wir uns erholen, um dann am Abend unseren 1. kulinarischem Höhepunkt im Albergo del Guerrino in Montefioralle oberhalb von Greve zu erleben.

Der nächste Tag galt dem Chiantigebiet. Es ging uns zunächst zum Castello Brolio, dorthin wo dem Vernehmen nach das Cuvee des Chianti Classico zum 1. Mal komponiert wurde. Von dem mächtigen Kastell war nur der gut gepflegte Park zu besichtigen mit einer herrlichen Aussicht ins Land. Im Anschluß an eine kurze Besichtigung des Weinkellers hatten wir Gelegenheit einen Querschnitt der Weine von Brolio, die zu den Spitzenprodukten des Chiantigebietes zählen, zu verkosten.

Nach einem hervorragenden Mittagessen im der Osteria di Castello ging es über Radda und Volpaia – schöne Dörfer, pures Mittelalter, aber leider längst vom Tourismus entdeckt – nach Greve zurück.

Der dritte Tag führte uns nach Lucca und Pisa, beides Städte, für die man sich eigentlich mehr als ½ Tag Zeit nehmen sollte. Luccas Altstadt wird heute noch umgeben von einer intakten mittelalterlichen Stadtmauer. Zu Recht berühmt ist der Marktplatz, der, auf den Fundamenten eines römischen Amphitheaters erbaut, dessen ovale Form nachbildet und durch seine geschlossene Häuserfront beeindruckt.

Wunderschön ist die Kirche San Frediano mit einem dreischiffigen Kirchenraum in klarer, schnörkelloser Romanik.

Pisa ist mehr als der Campo dei Miracoli, allerdings nimmt dieser natürlich bei einem Kurzbesuch die meiste Zeit ein. Das Ensemble bestehend aus dem Dom, dem „schiefen“ Turm, dem Baptisterium und dem Campo Santo ist, wenn man sich ihm nähert und die Menge der Touristen einem nicht den Blick verstellt, immer aufs Neue von einer atemberaubenden Schönheit und war stilbildend für Folgebauten in Florenz, Siena usw. Unsere sachkundige Führerin wusste uns die Architektur, die Stilelemente und den historischen Zusammenhang überzeugend nahe zu bringen. Quer durch die Altstadt ging es anschließend über den Arno zur Osteria.Republice Marinare, wo der Wirt uns ein großartiges Menu mit pisaner Spezialitäten servierte, begleitet von ausgesuchten Weinen aus der Region von Pisa. Es war spät, als wir an diesem Abend in Greve ankamen.

Unser Ziel am Mittwoch, den 24. Mai, war zunächst Siena. Nachdem wir vom Parkplatz zur Kirche S. Domenico empor gestiegen waren, eröffnete sich das beeindruckende Stadtbild mit dem Dom, seinem Campanile und dem Turm des Rathauses. Nur wenige der vielen Sehenswürdigkeiten konnten wir aufsuchen. Auffallend beim Dom war die schwarzweiße Marmormusterung der Fassade, wie sie für die Toskana typisch ist. Dieses Streifenmuster setzte sich im Inneren mit einer selten erlebten Eindringlichkeit fort. Alle Säulen und Wände waren mit den gleichen, engen schwarzweißen Streifen bedeckt. Das verlieh dem Kirchenraum einen strengen, gleichzeitig verwirrenden, fast orientalisch anmutenden Charakter. Der Rundgang durch die Stadt endete natürlich auf dem Campo, einem der eindruckvollsten mittelalterlichen Plätze Italiens. Auf dem Rückweg zum Bus machten die meisten eine Stippvisite im Kaffee Nannini, bekannt wegen seines Gebäcks und der von dort stammenden Popsängerin Gianna Nannini.

Auf der Rückfahrt stand eine Weinprobe im Weingut La Brancaia auf dem Programm. Obwohl erst Anfang der achtziger Jahre von einem schweizer Industriellen gegründet, zählt es schon seit längerem zu den Spitzenerzeugern im Chiantigebiet.

Der Juniorchef nahm sich die Zeit, uns die Geschichte des Weingutes und seine Philosophie zu erläutern, sowie einen Querschnitt seiner Weine vorzustellen. Die herzliche Aufnahme, die Weine und die idyllische Lage des Gutes machten den Besuch zu einem bleibenden Erlebnis.

Der Tag wurde beschlossen mit einem herrlichen Menü in der Osteria alla Piazza.

Für den folgenden Donnerstag waren ein Besuch mit Führung in Volterra, eine Stippvisite am Mittag in einer Käserei und ein Bummel durch San Gimignano geplant. Nach dem lohnenden Rundgang durch die Etruskerstadt Volterra waren wir froh, dass wir uns bei einem rustikalem Imbiß in der Fattoria Lischetto erholen konnten. Der Besuch in San Gimignano wurde einstimmig auf den folgenden Tag verschoben und der vorgesehene 2. Besuch in Florenz angesichts des schwülwarmen Wetters und unverkennbarer Ermüdungserscheinungen wurde gestrichen. Der Tag klang aus in der Bottega del Moro in Greve, ein überzeugender Tipp unseres Busfahrers – ein kulinarischer Höhepunkt!

San Gimignano am Freitag mit viel Zeit, zum Bummeln und Genießen – das war genau das Richtige als Abschluß dieser ereignisreichen Woche.

Schon von den Medici unter Denkmalschutz gestellt, beeindruckt die Stadt schon von Weitem mit dem Panorama ihrer Geschlechtertürme. Es mag ja sein, dass sie eigentlich nur noch mittelalterliche Kulisse für die vielen Touristen ist – dennoch war es schön, um sie herum zu laufen und durch die wunderschönen Gassen zu schlendern. Zufrieden kehrten wir am Nachmittag zurück, um den Tag und die gesamte Fahrt bei einer Gala auf der breiten Terrasse des Restaurants Giovanni da Verrazzano am Marktplatz in Greve ausklingen zu lassen.

Über die Menge des Weines, die am Ende abgerechnet wurde, schweigt der Chronist höflich – wir haben uns auf jeden Fall als würdige Vertreter unseres Verein erwiesen.

Die Rückkehr am Samstag verlief problemlos. Was blieb ist die Erinnerung an eine Woche voll schöner, intensiver Erlebnisse in einer guten Gemeinschaft. Vielleicht auf ein Da Capo im kommenden Jahr.

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