Weinreise Saale Unstrut 2011

Protokoll unserer Weinreise Saaale/Unstrut vom 29.4.bis 04.05.2011

Freitag, 29.04.2011

Nachdem auch Peter eingetroffen war, konnte unsere Reise pünktlich um 7.30 Uhr mit einem nagelneuen Reisebus der Fa. Reimann aus Hagen-Hohenlimburg ab Unna beginnen.

Unser Reiseleiter Reiner Schäfer begrüßte die Reiseteilnehmer im Bus und stellte auch unseren Wunschbusfahrer Günther Schönfelder vor.

Die Fahrtroute führt über die A44 Richtung Kassel, die A7 bis Friedland und dann über die A38 und Bundes- und Landstraßen bis nach Freyburg/Unstrut.

Die Ankündigung eines Winzerfrühstücks mit den ersten Weinen der Region bei einer Pause auf halber Strecke wurde freudig zur Kenntnis genommen.

Die Ausgabe einer „Pressemappe“ bietet gute Gelegenheit, sich während der Busfahrt ausführlich über unser Reiseziel zu informieren.

Nach ca. 2 stündiger Busfahrt war es dann soweit, das angekündigte Winzerfrühstück konnte starten.
Auf der Rastanlage Kassel wurden ruck-zuck die mitgebrachten Bierzelttische aufgebaut, mit Gläsern, Tassen, Kaffee sowie Wurst- und Käseplatten dekoriert, und schließlich die Weine entkorkt.
Es gab zwei Saale-Unstrut-Weine vom Weingut Thürkind, nämlich ein Gröster Steinberg, Müller-Thurgau 2010, und ein Gröster Steinberg, Blauer Zweigelt aus 2009, die ausgezeichnet zu unserem rustikalen Frühstück passten. Nach ca. einer Stunde starteten wir dann frisch gestärkt und in guter Stimmung zu unserer weiteren Fahrt.

Früher als geplant sind wir in unserer Unterkunft, dem Berghotel „Zum Edelacker“ angekommen. Nach Bezug der Zimmer trafen wir uns zu einem gemeinsamen Kaffetrinken im Hotel, bei dem Reiner einen Überblick über den geplanten Reiseablauf gab.

Danach standen ca. 2 Stunden zur freien Verfügung, die überwiegend zur Erkundung der herrlichen Umgebung –insbesondere der Schlossanlage Neuenburg mit dem markanten Bergfried, genannt „Dicker Wilhelm“,- genutzt wurde. Was die bei dem Spaziergang und auch später noch einmal an Hermann gerichtete Frage nach dem Ding auf sich hat, können aber nur Eingeweihte beantworten.

Um 17.00 Uhr starteten wir mit dem Bus zum Landesweingut Kloster Pforta.

Begrüßt wurden wir von der „Weinerlebnisbegleiterin“ Frau Hölzer, die uns bei einem Begrüßungssilvaner (äußerst trocken) die über 850-jährige Geschichte des Landesweingutes etwas näher gebracht hat und uns anschließend durch das Landesweingut, der Weinlage Saalhäuser und durch die Weinkeller geführt hat.
Interessant war, dass in dem Weingut seit der Reblauskatastrophe im großen Umfang Versuchsanbau betrieben wurde und auch heute noch im beschränkten Umfang Versuchsanpflanzungen oder -erziehungen stattfinden.
Nach der Verkostung eines 2. Weines (Müller Thurgau trocken) im Weinkeller konnten wir in einem Gewölberaum endlich das in Buffetform angebotene Abendessen einnehmen.
Die anschließende Weinprobe war, was die Ausgewogenheit und dem Geschmack der angebotenen Weine anging, für uns sehr enttäuschend. Offensichtlich hat das Weingut bei der Auswahl der angebotenen Weine es nicht verstanden, dass hier keine normalen Bustouristen, sondern sachkundige Weinfreunde zu Besuch waren. In den Abschiedsworten hat Reiner darum gebeten, dass unsere Kritik und unsere Enttäuschung auch die Leitung des Weingutes weitergegeben wird.

Trotz Umleitung hat es unser Busfahrer Günter um 21.30 Uhr pünktlich geschafft, zu Beginn seiner vorgeschriebenen Ruhepause wieder im Hotel anzukommen. Der Absacker an der Hotelbar konnte somit noch ausgiebig genossen werden.

Samstag, 30.04.2011

Nach einem Super-Frühstücksbuffet startete unser Bus pünktlich um 9.00 Uhr in Richtung Naumburg.
Auf dem Parkplatz Vogelwiese konnten wir unsere Stadtführerin Frau Kühnel begrüßen, die bei einem sehr informativen Stadtrundgang durch Naumburg uns viele interessante Details näher brachte. Naumburg bestand ursprünglich aus zwei rivalisierenden Stadtteilen, die jeweils mit einer eigenen Stadtmauer umschlossen waren. Erst als Naumburg unter preussischer Herrschaft geriet, wurden die trennenden Mittelstadtmauern abgetragen.

Beeindruckend waren die vielen liebevoll restaurierten Häuser am Markt und in der Innenstadt.

Die Stadtführung mündete nach ca. 1 1/2 h in eine Führung durch den Dom St. Peter und Paul, die von der Domführerin Karin Baier durchgeführt wurde. Karin Baier zeichnete sich durch ein ausgezeichnetes Fachwissen aus, was sie in ausdrucksvoller Weise unserer Gruppe näher zu bringen wusste. So haben wir nicht nur die bekannten Stifterfiguren Ekkehard und Uta und Hermann und Reglindis sowie die die beiden Lettner gesehen, sondern wurden auch auf viele Details aufmerksam gemacht, die wir bei einem normalen Domrundgang so nicht zur Kenntnis genommen hätten.
Nach der Domführung hatten wir ca. 1 ½ h Zeit zur freien Verfügung, in der die Teilnehmer durch die Stadt schlenderten und verschiedene Lokale aufsuchten. Ein Teil der Gruppe folgte einem Insider-Tipp, um in Nachbarschaft von Nitsche „kleine Feinigkeiten“ auf erlesenem Porzellan zu genießen.

Um 13.45 Uhr trafen wir unsere Stadtführerin Frau Kühnel wieder, um mit ihr bei beeindruckender Orgelmusik auf der Hildebrandt-Orgel die St. Wenzel-Kirche zu besichtigen.

Der Nachmittag begann mit dem Übersetzen über die Saale und mit einer Wanderung durch den „Naumburger Blütengrund“, Richtung Max Klinger Weinberg. Beeindruckend war das „Steinerne Bilderbuch“, ein ca. 150 m langes Bildrelief, dass im Jahre 1722 in Sandstein gehauen wurde. Es zeigt 12 Szenen aus der biblischen Geschichte, die sich auf den Weinbau und die Jagd beziehen. Unsere Wanderung endete in einem gemütlichen Weinbergscafe auf dem Max-Klinger-Weinberg, wo wir bei Kaffee und Kuchen einen malerischen Ausblick über das Saale-Unstrut-Tal bei herrlichem Wetter genießen konnten.

Um 17.15 Uhr fuhren wir mit dem Bus nach Naumburg zum Winzerhof Gussek. Während der Fahrt brach im Bus ein Jubel aus, denn mittlerweile stand fest, dass Borussia Dortmund der diesjährige Deutsche Fußballmeister wird.
Herr Frank Altmann, rechte Hand des Chefs, begrüßte uns auf dem Winzerhof mit einem trockenen 2010 Portugieser Rosé, der auch zum Essen gereicht wurde. Auf dem Grill wurde frische Thüringer Bratwurst bereitet, eine wunderbare Ergänzung zum trockenen Rosé.
Alice, die 9-jährige Tochter des Junior-Chefs, hat uns während des Essens verraten, dass sie mit 18 Weinkönigin wird, weil sie dann aus der Pubertät sei.

Nach einer. kurzen Weinbergs- und Kellerführung begann eine von Herrn Altmann sachkundig und informativ moderierte Burgunder- und Jungweinprobe.
Zum Abschluss bedankte sich Reiner für den gelungenen Abend und insbesondere dafür, dass durch die Weinprobe die Saale-Unstrut Weine wieder ins rechte Licht gerückt wurden.

Den Ausklang des Tages gestaltete ein Großteil der Gruppe an der Hotelbar. Ob einzelne Mitreisende anschließend noch am Walburgisnacht-Rockkonzert im benachbarten Schlosshof der Neuenburg teilgenommen haben, ist dem Chronist nicht bekannt. Reste von Besen wurden jedenfalls im Hotel nicht gefunden.

Sonntag, 01.05.2011

Nach Ausschlafen und einem gemütlichen Frühstück ohne Zeitdruck konnten wir bei herrlichem Sonnenschein den Freyburger Weinfrühling genießen. Bei einem lockeren Spaziergang bestand die Gelegenheit, so wie jeder es wollte, durch die Weinberge in Freyburg zu spazieren und an den Ständen von über 30 heimischen Winzern deren Weine und andere Köstlichkeiten zu genießen. Ein Teil der Gruppe nutzte die Zeit zu einer idyllischen Bootsfahrt auf der Unstrut.
Der Abschluss dieses ausgesprochen erholungsreichen Tages bildete die kulinarische Weinprobe im Weingut Hey in Roßbach, das wir nach einer Irrfahrt über Feldwege endlich gefunden hatten.
Bei dem Weingut Hey handelt es sich um ein junges Weingut, das erst seit 2001 besteht und zuerst im Nebenerwerb, heute aber im Haupterwerb betrieben wird.
Herr Hey jun. begrüßte uns im Weingut und kündigte eine kurze Wanderung durch die Steillagen zu einem auf halber Höhe befindlichen Weinberghäuschen an. Herr Hey sen., kredenzte uns am Weinbergshäuschen als Aperitif den ersten Wein des Abends, nämlich einen 2010 Gutedel trocken. Bei herrlicher Aussicht stiegen wir nach einiger Zeit unter sachkundigen Erläuterungen von Herrn Hey wieder hinab, um mit unserer kulinarischen Weinprobe, bestehend aus vier Gerichten und fünf weiteren korrespondierenden Weinen, zu beginnen.
Die kulinarische Weinprobe war nicht nur wegen der Schmackhaftigkeit der Speisen, sondern auch wegen der außergewöhnlichen Qualität der begleitenden Weine ein ausgesprochener Erfolg. Dies machte auch Reiner in seiner Schlussansprache noch einmal deutlich und hob besonders hervor, dass wir mit Herrn Hey jun. einen innovativen Koch und Winzer in einer Person vor uns haben, von dem wir bei konsequenter Weiterentwicklung seines Konzeptes noch viel Gutes hören werden.
Bevor wir mit dem Bus wieder zurückfuhren stimmte Friedhelm zum Abschluss das Lied „Der Mai ist gekommen“ an, das wir zu Ehren der Familien Hey gemeinsam sangen.

Der bei der Rückfahrt im Bus von einigen schon geplante Absacker im Hotel musste allerdings ausfallen, denn aufgrund mangelnder Gäste hatte die Bar inzwischen geschlossen.

Montag, 02.05.2011

Heute war frühes Aufstehen angesagt, denn bereits um 8.15 Uhr begann unsere Rundfahrt durch den Burgenlandkreis.
Mir unserer Begleiterin Frau Hölzel ging die Fahrt durch das schöne Unstruttal flussaufwärts bis nach Nebra, in deren Nähe die weltberühmte Himmelsscheibe gefunden wurde. In der Arche Nebra, einem noch jungen Museum, wurde uns die Bedeutung aber auch die Umstände und Hintergründe der astronomischen Himmelsscheibe sowohl im Planetarium, als auch in der Ausstellung näher gebracht. Nach ca. 1 ½ h ging die Fahrt weiter zum Geiseltalsee, der durch die Flutung eines ehemaligen ausgedehnten Braunkohletagebaus entstanden ist.
Wir umrundeten den See mit dem Geiseltalexpress, einer eigens für Besucher gebauten Bahn. Unplanmäßig musste die Fahrt unterbrochen werden, weil Bohrungen auf der Fahrbahn ein Weiterkommen unmöglich machte. Nachdem wir alle ausgestiegen waren, schaffte es das Fahrzeug, das Hindernis mir viel Rangierarbeit, Holzbohlenunterstützung und Anweisungen zu umfahren.
Der nächste planmäßige Halt auf dem Weinberg war rundum gelungen. Bei Fettbemme, Verkostung von zwei Weinen vom noch jungen Weinberg und den humorvollen Erläuterungen vom Winzer, Herr Reifert aus Freyburg, war die Stimmung für den Rest der Umfahrung perfekt. Selbstverständlich durfte auch das Steigerlied nicht fehlen, dass wir aus vollen Kehlen wären der restlichen Fahrt gesungen haben.

Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir Merseburg. Hier konnten wir mit der Domführerin Beathe Timmel eine informative Domführung erleben. Nach einer Kaffeepause, einem geführten Stadtrundgang mit Frau Hölzel, ging unsere Fahr weiter zum Weingut Thürkind in Gröst. In dem gerade fertiggestellten neuen Proberaum nahmen wir ein äußerst schmackhaftes 4-Gang-Menü ein, das von korrespondierenden Weinen harmonisch begleitet wurde. Herr Thürkind, ein junger sehr selbstbewusste Winzer, der sich selbst als dynamisch und innovativ bezeichnet, erläuterte uns bei einer anschließenden Weinprobe, die erfolgreiche Geschichte seines Weingutes. Mittlerweile gehört das Weingut Thürkind zu einem der bekanntesten Weingüter im Saaale-Unstrut Gebiet. Um ca. 22.00 Uhr traten wir die Rückfahrt an. Der Abend endete – wie sollte es anders sein – mit einem kleinen Schlaftrunk an der heute wieder geöffneten Hotelbar.

Dienstag, 03.05.2011

Der heutige Vormittag war ganz dem prickelten Vergnügen gewidmet. In der traditionellen Sektkellerei Rotkäppchen in Freyburg wurden wir von Herrn Wiegand, den einige von uns schon bei einer Veranstaltung in Unna erlebt hatten, und seiner Assistentin mit einem Glas Sekt begrüßt. Nach allgemeinen Informationen über die geschichtliche Entwicklung der Sektkellerei, die nach der Wende einen enormen Aufschwung genommen hatte und heute mit den inzwischen übernommenen Töchtern Mumm und Geldermann sich zu einem der größten Sektkonzerne Europas entwickelt hat, ging es in den Keller, wo wir das Rütteln, das Degogieren und die Enthauptung von Sektflaschen mit dem Säbel praktisch zelebrieren durften. Selbstverständlich haben wir hierbei die entsprechenden Sekte auch verkostet. Anschließend folgte eine Betriebsbesichtigung, in der uns die riesigen Ausmaße des Betriebes in Freyburg, in dem allein 112 Mio. Flaschen pro Jahr produziert werden erst richtig deutlich wurden. Bei Rotkäppchen in Freyburg sind heute über 150 Mitarbeiter in 2- bis 3-Schichtbetrieb beschäftigt, vor der Wende waren es 370, nach der Wende reduzierte sich die Mitarbeiterzahl auf 60.
Nach der Betriebsbesichtigung folgte eine Sektprobe, bei der nicht nur Herr Wiegand, sondern auch wir zur absoluten Höchstform aufliefen. Mit Chorgesang, Theatersketchen und schließlich der Moccaperle verabschiedeten wir uns nach mehreren Stunden von einer Betriebsbesichtigung, die vielen von uns in dauerhafter Erinnerung bleiben wird.

Nach der Einnahme einer Soljanka bei einer Rast in der noch aktiven Zeddenbacher Wassermühle, wanderten wir auf einem wunderschönen Pfad nach Zscheiplitz, zum ehemaligen Rittergut und Kloster des heutigen Weingutes Pawis, das seit ca. 4 Jahren sich dort angesiedelt hat. Während einer Weinprobe mit qualitativ ausgezeichneten Weinen brachte uns Frau Pawis die Geschichte des Weingutes näher, die auf außergewöhnlich hohes Interesse stieß. Zusammenfassend konnten wir den Mut und die Innovationsfähigkeit dieser Winzerfamilie nur bewundern. Zum Abschluss der Weinprobe vertiefte ein Rundgang durch den Betrieb und dem Hauptgebäude, in der sich gerade auch eine Kunstausstellung befand, unsere Eindrücke, denn einige Fotos an der Wand machten noch einmal deutlich, was es heißt, aus verfallenen Stallgebäuden so ein schönes Objekt zu schaffen.

Der Abschluss dieses Tages bildete eine große Weingala mit einem 7-Gang Menü und entsprechenden Weinen der Winzervereinigung Freyburg. Begleitet wurde der Abend durch die Gebietsweinkönigin Saaale-Unstrut Elisabeth Born, eine Winzertochter, die die Wein- und Menüfolge sachkundig zu besprechen wusste. Mit Dank an Reiner und Heidi für die hervorragende Organisation dieser Reise klang dieser Abend in guter Stimmung gemütlich aus.

Mittwoch, 04.05.2011

Heute war unser Rückreistag. Nach gemütlichem Frühstück, Kofferpacken und Einladen des Gepäcks sowie diverser Weine begann um 10.00 Uhr unsere Rückfahrt. Unterwegs machten wir eine längere Pause im Bergpark Wilhelmshöhe, die aber durch das regnerische Wetter etwas beeinträchtigt war. Nachdem auch Peter wieder eingetroffen war, konnten wir auch das letzte Stück unserer Rückfahrt erfolgreich bewältigen.

Das Weinanbaugebiet Saale-Unstrut, mit dem vor dieser Reise viele von uns nicht viel anfangen konnten, hat durch diese Reise neue Freunde gewonnen. Nicht nur der Wein, sondern die vielen Eindrücke durch die außergewöhnlich schöne Landschaft und die zahlreichen Kulturstätten sind für viele von uns Grund genug, diese Region auch bei anderen Gelegenheiten wieder zu besuchen.

Hermann Bley

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