Mittelrhein / Ahr 2010

Bericht zur Weinreise der Weinfreunde vom Hellweg zum
Mittelrhein / Ahr vom 30.04.2010 – 02.05.2010

Reisebericht von Andreas Braier

Freitag, 30.04.2010

Pünktlich um 8:00 Uhr begann die Reise mit 24 Teilnehmern am Bahnhof Unna zum ersten Ziel, dem Weinbaugebiet „Mittelrhein“.

Seit den 60-er Jahren war der Weinbau in diesem Anbaugebiet stark rückläufig. Von ehemals 2000 ha werden derzeit lediglich noch 450 ha für den Weinanbau genutzt. Es wurden damals überwiegend Massenweine für die Sektindustrie produziert, mit denen langfristig kein kostendeckender Anbau möglich war. Zudem erschwerten arbeitsintensive Steillagen und kleine Parzellen den Anbau. In den letzten Jahren hat sich aber immer mehr der Qualitätsgedanke durchgesetzt und unter dem Motto „Weniger ist mehr“ haben sich fünf junge Winzer unter dem Namen „Gipfelstürmer“ zusammen gefunden, um aufgegebene Steillagen zu retten und verlorenes Terroir zurückzuholen. So soll die Anbaufläche des Mittelrhein in den nächsten Jahren wieder auf 500 ha gesteigert und ein Beitrag zum UNESCO- Weltkulturerbe Mittelrhein geleistet werden.

Vorbei an der Burgruine Rheinfels fuhren wir zu unserem ersten Ziel, dem Weingut Philippsmühle in einem Nebental des Rhein bei St. Goar. 2006 übernahmen die Brüder Martin und Thomas Philipps die Getreidemühle und Winzerschenke vom Vater rückten den Weinbau in den Vordergrund. Auf überwiegend Devonschieferböden in Steillagen werden 90 % Riesling und 10% Müller- Thurgau angebaut. Im Vordergrund stehen qualitätsorientiertes Arbeiten im Weinberg und eine anschließende, schonende Traubenverarbeitung und –vergärung. So entstehen leichte fruchtige Weine mit mineralischen Noten. Die Weine werden direkt vermarktet und in den beiden Winzerstuben in St. Goar und in der Mühle ausgeschenkt. Thomas Phillips stellte uns einen trockenen Müller-Thurgau, vier trockene – halbtrockene Rieslinge und einen lieblichen Riesling vor. Begleitend zur Weinprobe wurde ein Dreigangmenü mit Bärlauchsüppchen, gefüllter Braten mit gratinierten Kartoffeln, Erdbeer- Rhabarbergrütze serviert. Die Speisen harmonierten sehr gut mit den gereichten Weinen. Nach einer kurzen Kellerführung fuhren wir mit dem Bus weiter nach St. Goar, einem stark vom Tourismus geprägten Städtchen am Rhein. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung, was auf die unterschiedlichste Art mit einem Bummel durch St. Goar, einem längeren Spaziergang am Rhein entlang oder dem Besuch der Burgruine Rheinfels genutzt wurde.

Anschließend setzten wir unsere Reise per Schiff rheinabwärts mit der „MS Godesburg“ bis Boppard fort. Von hier ging es direkt mit unserem Bus zu unserem Hotel „Alter Posthof“ in Spay am Rhein.

Das gemütliche drei Sterne Hotel ist seit acht Generationen familiengeführt, mit einem herrlichen Biergarten. Obwohl Spay direkt am Rhein liegt, blieb man hier vom touristischen Rummel, wie etwa in St. Goar oder Boppard, weitgehend verschont und konnte die herrliche Umgebung in Ruhe genießen. Nachdem wir im Hotel eingecheckt und die Zimmer bezogen hatten, ging es auch schon zum VDP- Weingut Matthias Müller, das direkt an das Hotel angrenzte.

Seit 300 Jahren wird auf dem Gut Weinbau betrieben, seit 25 Jahren ist es ein reiner Weinbaubetrieb. Die Betriebsgröße beträgt 12,5 ha, es werden Riesling (91%), Grauburgunder und eine geringe Menge Spätburgunder als Rose oder Blanc de Noir angebaut. Es wird großer Wert auf die Erhaltung der Individualität der Weine gelegt, filigrane Rieslinge mit mineralischer Note. Die Trauben stammen alle aus der Lage „Bopparder Hamm“.

Die beiden im Vorhof des Weingutes gereichten Weine, ein Rieslingsekt brut und ein Riesling Kabinett trocken, überzeugten schon einmal und machten neugierig auf die bevorstehende Weinprobe in unserem Hotel. Zuvor führte uns aber noch ein kurzer Spaziergang durch Spay an den Rhein, vorbei an gepflegten und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern.

Den Abschluß des ereignisreichen Tages bildete das gemeinsame Abendmenü im „Alten Posthof“, begleitet von Herrn Matthias Müller, der uns einen Spätburgunder Rose, einen Grauburgunder und je einen trocken und feinherben Riesling sowie eine Auslese vorstellte. Als Viergangmenü wurde Spargelsalat, Safranschaumsuppe, Kalbsrücken mit Steinpilzsauce und Ubeparfait, einer kartoffelähnlichen Wurzel von den Philippinen mit dem Aroma gebrannter Mandeln serviert. Ein fantastisches Menü mit hervorragenden Weinen aus dem Weingut Matthias Müller.

Samstag. 01.05.2010

Der erste Mai präsentierte sich zunächst Wolken verhangen und leicht regnerisch, aber schon während unserer Busfahrt in das Ahrtal riss die Wolkendecke auf und wir bekamen einen sonnigen, warmen Frühlingstag.

Nach einer kurzen Wanderung ab dem Parkplatz „Römervilla“ bei Ahrweiler erreichten wir unseren ersten Tagesprogrammpunkt, die Dokumentationsstätte Regierungsbunker. Träger dieser Dokumentationsstätte ist der Heimatverein Alt Ahrweiler, der auch die Führungen organisierte. In den Jahren 1962 – 1972 wurde hier in aufgegebenen Eisenbahntunneln ein ABC sicherer Regierungsbunker als Ausweichsitz der Bundesregierung errichtet. Die Anlage erstreckte sich über 19 km länge, und konnte über vier Haupteingänge betreten werden. Der Bunker war ständig mit ca. 150 Personen besetzt und sicherte im Falle eines ABC- Angriffs das Überleben von ca. 3000 Menschen für 30 Tage. Um die Anlage für einen ABC- Angriff zu sichern war ein enormer Aufwand an Technik notwendig, um beispielsweise die Luft- und Wasserversorgung zu gewährleisten.
Ab 1998 wurde der größte Teil des Bunkers, mit Ausnahme des Bereichs der heutigen Dokumentationsstätte, entkernt. Durch Schleusen mit mächtigen Betontoren, die im Ernstfall in wenigen Sekunden geschlossen werden konnten, erreichten wir das innere des Bunkers. Anhand der noch erhalten gebliebenen Betriebsstätten, Schlaf- Wohn und Sozialräume, konnten wir uns ein gutes Bild von den Ausmaßen und dem eingeschränkten Leben an einem solchen Ort machen und manch einem lief in der bedrückenden Enge und Nüchternheit des Bunkers ein Schauer über den Rücken.

Am Eingang des Dokumentationszentrums trafen wir Herrn Paul Gieler, der uns durch die angrenzenden Weinberge führte und viel Wissenswertes zum Weinbau, der Ahr und Ihren Menschen zu berichten wusste. Die Wanderung führte uns bis nach Walporzheim und wir hatten herrliche Ausblicke über das Ahrtal. Bemerkenswert sind auch hier die Steillagen, die von bis zu 1000 Jahre alten Trockenmauern gehalten werden und den Charakter der Kulturlandschaft prägen.
Im Anschluß an die Wanderung gab uns Herr Gieler im Ahr- Wein Forum des Ahrweiler Winzer-Verein e.G. bei Kaffee und Kuchen eine Einführung in den Weinbau der Ahr. Diese erstreckt sich über 89 km, davon werden 34 km weinbaulich genutzt. Die Anbaufläche für Reben beträgt ca. 558 ha mit ca. 3 Millionen Rebstöcken. 88% der Fläche wird für den Anbau von Rotwein genutzt. Im Jahresdurchschnitt werden 1450 Sonnenstunden registriert, der Temperaturdurchschnitt beträgt 9,8°C und es fallen 600 mm Niederschlag. Zur Vertiefung des soeben erlernten begaben wir uns in den Keller des Winzer-Vereins, wo wir zwei herrliche Spätburgunder und einen seltenen Frühburgunder Barrique direkt aus dem Faß probieren durften.

Den Tag schlossen wir im Ambiente des musealen Saales des Ahr- Wein Forum mit einem herrlichen Vier- Gänge- Menü des angrenzenden Restaurant „Lanz“ ab. Es wurden bunte Frühlingssalate mit Entenbrustscheiben, ein Erbsencremesüppchen Kalbsrücken auf Spargel- Morchelragout und Mangomousse im Baumkuchenmantel serviert. Begleitet wurde der Abend von Herrn Gieler, der uns sieben verschiedene Weine der Ahr, ein weißer Burgunder, ein Regent, ein Frühburgunder, einen Cuvee und drei Spätburgunder vorstellte.
Spät am Abend fuhren wir dann zu unserem Hotel „Appel“ in Rech. Da es schon sehr spät und der Tag sehr anstrengend war fiel der geplante Absacker leider aus.

Sonntag, 02.05.2010

Der zweite Mai begrüßte uns Wolken verhangen und regnerisch und der Wechsel von regnerischen und sonnigen Abschnitten blieb uns den ganzen Tag erhalten.

Zu unserer ersten Weinprobe trafen wir etwas zu früh ein und hatten daher Zeit zu einem kurzen Spaziergang durch den Weinort Dernau. Anschließend besuchten wir dann das VDP- Weingut H.J.Kreuzberg. Das Weingut umfasst eine Fläche von 8,5ha. Zudem wird mit zugekauften Weinen aus anderen Anbaugebieten gehandelt. Die Vermarktung erfolgt über eine Straußenwirtschaft und in Eigenregie. Der Großteil der Produktion besteht aus Rotweinen. Die Weinprobe fand im Verkostungsraum im Keller statt, der in Farbe und Einrichtung an ein toskanisches Weingut erinnerte. Die Probe, vorgestellt von Herrn Stodden, umfasste insgesamt acht Weine, einem trockenen Sekt und einem Weißburgunder (beide zugekauft), drei Spätburgunder, einem Dornfelder, einem Frühburgunder und einem Cabernet Sauvignon. Zum Ende der Probe entwickelte sich bei einigen Weinfreunden eine anregende Diskussion über den Sinn des Anbaus von Cabernet Sauvignon an der Ahr. Etwas schade war zudem, dass einige der Weine von außerhalb der Ahr stammten und das Angebot des Weingutes preislich eher im oberen Bereich rangierte.

Anschließend ging es mit dem Bus weiter zur Maibachfarm in Bad Neuenahr- Ahrweiler. Vom Busparkplatz aus ging es noch entlang der Zufahrtsstraße ca. 15 Minuten einen leichten Anstieg durch, ein landschaftlich reizvolles Tal hinauf zu der Farm. Die Maibachfarm wurde 1998 als landwirtschaftlicher Betrieb gegründet mit dem Streben „im Gleichklang mit der Natur“ und der Bewirtschaftung nach ökologischen Richtlinien. Nach einem reichhaltigen Mittagsbuffet führte uns Herr Mattern durch das Gut. Die Weinerzeugung erfolgt ausschließlich nach ökologischen Prinzipien. Zudem werden mit der hauseigenen Brennblase Brände und Liköre hergestellt und eine Schafskäseproduktion aufgebaut. Der Weinkeller war ausgestattet mit modernster Technologie und temperaturgesteuerten Edelstahltanks. Die Vermarktung der Produkte erfolgt über den hofeigenen Laden und das Restaurant. Die Weinprobe fand im Barriquekeller statt. Über eine Natursteinwand wird ständig Wasser verdunstet, um die Luftfeuchtigkeit hoch zu halten. Vor dieser Kulisse war eine lange Tafel aus schweren Eichenmöbeln für die Weinprobe aufgebaut, den Hintergrund bildeten Reihen von Holzfässern. Zur Weinverkostung wurden ein halbtrockener Riesling und je zwei Spät- und Frühburgunder gereicht, die einen würdiger und genussreicher Abschluss der Reise waren.
Als letzter Programmpunkt war ein Besuch des Arp- Museum im Bahnhof Rolandseck südlich von Bonn vorgesehen. Aufgrund der leider fortgeschrittenen Zeit war der Besuch des Museums nicht mehr möglich. So wurde „Kaffee und Kuchen“ auf der Terrasse des Restaurants im historischen Bahnhofsgebäude zu unserem letzten Programmpunkt.

Um 20:20Uhr erreichten wir wohlbehalten den Bahnhof Unna, den Endpunkt unserer Reise.

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