Bodenseeweinreise 2014

Rückschau auf die Bodenseeweinreise vom 4.5. bis zum 29.4.2014

Der Abschied am Bahnhof in Unna am Sonntagabend war recht kurz, es drängte einen jeden wohl wieder nach seiner Heimstadt, denn die vielfältigen Eindrücke sollten sich erst mal setzen können.

Die Rückreise, von einer Kaffepause nur unterbrochen, ging vom Weingut Gierer aus, wo nochmals die Gelegenheit bestand Wein und Eindrücke im schmucken Örtchen Nonnenhorn bodenseenah und fachkompetent zu erfahren sowie den badischen, würtembergischen, bayrischen, eidgenössischen, österreichischen und liechtensteinischen Seegestaden adieu zu sagen. Dies geschah nach dem wie immer üppigen, aber letzten Frühstück im Hotel Heinzler in Immenstaad.

Die vorausgegangene Nacht war für alle zufrieden-ruhig gewesen, denn das schon zur Tradition gewordene Galadinner, diesmal ein fünfgängiges Abendessen mit acht dazu ausgewählten Weinen der Region, eigens kommentiert vom Chef des Hauses, lies keine Wünsche mehr offen, selbst oder selbstverständlich weil wohl auch der Tischservice einiges zum Gelingen beigetragen hatte.  In einer Art „Verabschiedung“ mit ausführlicher persönlicher Würdigung von Reiner und Heidi Schäfer begann der Abend beim Glas Sekt und leckeren Kanapees. Helmut Eichhorst, der auch an allen vergangenen Weinreisen der Weinfreunde teilgenommen hatte, betonte in einer gelungenen bildhaften Retrospektive die Verdienste und Mühen des scheidenden Vorsitzenden der Weinfreunde und seiner Frau besonders für diese Art der weinkulturellen Reiseaktivitäten. Jedes Mal war es eine gelungene Verbindung gewesen, den Wein und die Kultur einer ausgewählten Region den Teilnehmern erlebbar zu vermitteln; zum 16. Mal mittlerweile ist das den beiden bestens gelungen.

Auch jetzt war es wiederum so, wo zuletzt am Nachmittag die Pfahlbauten in Unteruhldingen mit einem Besuch erkundet wurden. Zahlreiche Stein- und bronzezeitliche Artefakte und getreue Nachbildungen, zum Weltkulturerbe erhoben, interessant und fachkundlich präsentiert, konnten hier dennoch nicht so ganz die saukalte Wetterlage ignorant erscheinen lassen; und ob der Fußmarsch zum Bus die frierenden Passagiere damit versöhnt haben mochte, dass das Leben heute unvergleichlich komfortabler ist, kam bei den meisten auch nicht so recht zum Ausdruck.

Noch lebhaft in Erinnerung aber dürfte allen die an diesem Tage glücklich verlaufene Befreiung der beiden in „Gefangenschaft“ geratenen Weinfreunde gewesen sein, die aus Versehen im Markgräflichen Weinkeller eingeschlossen wurden. Aber Panik war bei diesen nicht angesagt, denn hätte man sie vergessen, so wären sie gewiss nicht verdurstet – der Keller wahrlich, war gut sortiert.

Dieses Malheur hatte sich nach der Weinprobe in den Gewölben des Markgrafen von Baden auf dem Schlossgelände ereignet, wohl, weil die guten Weine allen noch in jüngster Erinnerung behalten werden wollten und deshalb eilig zum Einkauf drängten. Zuvor wurde eine eingehende Schlossgelände – und Kirchenführung der ehemaligen Abtei Salem begangen, wobei so einiges zuerst über die ehemaligen klösterlichen Zisterzienser und jetzt die einwohnenden Gymnasiasten zu erfahren war. Nur nebenbei sei bemerkt, wie auch an diesem sakralen Ort ganze Epochen in künstlerischen Ausdrucksformen ihre gelungenen Symbiosen fanden; geradezu bemerkenswert ist festzustellen, wie Gotik und Spätbarock hier zueinander fanden. Ja wer hätte schon beim Frühstück geahnt, wie erlebnisreich dieser Tag verlaufen sollte.

Dem allseits bemerkenswerten Abendessen im Hotel Heinzler am Vortag wurde die sich anschließende Musik danach, die zur Unterhaltung einer gleichzeitigen Hochzeitsgesellschaft gespielt wurde, allerdings von manchem nicht besonders Nachtruhe pfleglich empfunden. So kann es halt ergehen, obwohl doch die davor gesammelten Erfahrungen bei der Weinprobe im Weingut Aufricht auch durch den heftigen Regen nicht getrübt worden sind. Hier stimmte die fidele Art der Weinerlebnisführerin und die von ihr präsentierten Weine hervorragend überein, weil auch den Kennern das Kennenlernen gekonnt kolportiert wurde. Dieser Weingutsbesuch hatte übrigens eine geradezu entschädigende Wirkung auf die Moral der gesamten Gruppe, da diese zuvor mit der Fähre von Konstanz kommend, den Ausfall der geplanten Stadtbesichtigung wegen permanenten Staus an der Grenze verschmerzen musste: Denn der Kulturhunger nach zu Besichtigender Konstanz-Konzil-Kulissen- Kultur wurde jäh nach dem Frühstück genährt, als man mit der Fähre von Meersburg noch des Morgens an der Konstanzer Altstadt vorbei und natürlich im Stau, in die Schweiz zur Weinkellerei Rutishäuser schleichen musste. Hier dann erfuhr man Größe – auch wenn sie im Verborgenen lag, also im Keller. Riesig die Anzahl der Tanks, zahlreich die Räume der Keller, lang die Rohre der Leitungen, hoch die Regale im Flaschenlager, aber auch schlecht die Akustik im Probierraum. Bei Letzterem konnte auch die sonnst sympathische Sommeliere keine Abhilfe schaffen; verkostet wurden ausnahmslos Thurgauer Weine.

Gesprächsstoff beim Abendessen im Hotel Heinzler an diesem 1. Mai bildete durchweg der Rückblick auf die Erlebnisse des endenden Tages, sofern nicht das Menue selbst zu angeregter Unterhaltung beitrug. War da doch zuletzt der Besuch in den Bergen im recht hoch gelegenen Weingut Maienhalde, wo der Weinbau zwar in langer Tradition fortlebt, aber erst vor ein paar Jahren faktisch wieder zum wirklichen Leben erweckt wurde. So auch der von unserem Gastgeber im eidgenössischen Bernek. Hier waren nicht nur die Weine autochthon, der Winzer war es auch und das Interieur ebenso.  Ein gewisser ruraler Kontrast war das schon, denn die Stadt St. Gallen im gleichnamigen Kanton war vorher Programm. Eine Führung durch die Altstadt mitsamt der ehemaligen Klosteranlage, einer Stadt in der Stadt, zeigte viel Sehenswertes, wenn bisweilen auch Kurioses.  111 Erker ragen in die Straßen und Gassen hinein, gewachsen quer durch die letzten fünf Jahrhunderte und waren einfach nett anzusehen. Protestantisch/katholisch/paritätisch, eben eidgenössisch, wie vielerorts in der Confoederatio Helvetica, vielen besser unter „CH“ bekannt, begegnete einem das Leben. Glücklich das Land, das 166 Jahre keinen Krieg mehr erlebt hatte. Hinein gelangte man in diese Gegend ganz einfach, vorbei an Lindau und Bregenz, dort, wo der Hochrhein in den Bodensee hineinmündet.

Und vor dieser Überquerung ging es an jenem Morgen nach Bayern hinein, immer in Seeufernähe um eine Weinprobe im Weingut Schmidt in Wasserburg wahrzunehmen. Wahrgenommen wurde aber erst mal Holz, rundum, wenn auch eckig: Holz. Innen Holz, außen Holz, oben Holz, unten Holz, wo es eben geht, alles Holz; ein riesengroßer Holzbau in Form und Anlehnung an einen süddeutschen Einhaushof, alles unter einem (Holz)Dach. Zurückerinnert wird gewahr, dass wohl rund um den gesamten Bodensee der Weinbau eine Renaissance durchlebt. Fast überall herrschen spürbare Aufbruchstimmungen, selbst wenn sich diese auf die verschiedene Weisen zu artikulieren vermögen. Auch beim (Jung) Schmidt herrschte da der Aufbruch und machte Eindruck: etwas kokett, etwas amourös bei der Weiblichkeit, etwas machohaft bei der Freundin, etwas kosmopolitisch bei einigen Herren und etwas önologisch bei den Weinfreaks. Was konnte da schon schiefgehen: „Mir san mir!!“ ??? –  Gut, dass es vorher ein schönes Frühstück gegeben hat.

Wer hätte das gedacht, die Stimmung war gut, denn auch das  Abendessen am letzten Apriltag war eine Art Versöhnung mit dem Wetter, das es an diesem zweiten Reisetag mal so richtig mies in sich gehabt hatte. Der Besuch im Staatsweingut Meersburg mit Kellerbesichtigung und Weinprobe war ein gewisser Abschluss im Trockenen, was auch auf die Weine zugetroffen hat. Hier wurde sehr deutlich, dass die Bodenseeumgebung gute und große Qualitäten besonders aus der Burgunderfamilie hervorbringt, sowohl Rote als auch Weiße. Tröstlich und erbaulich für die Weinfreundinnen und Weinfreunde, denn die vorher erlebte Insel Mainau ging fast wörtlich im Regen unter. Bei Sonnenschein ist alles fein, bei Regenschauer wirkt alles nur noch grauer! Auch der Bodensee, über den diese schwedische Blumenidylle per Schiff erreicht wurde, hat sich an diesem Tage sein grauestes Grau angetan. Die barocke Klosterkirche von Birnau und das etwas dunstige Alpenpanorama über dem Überlinger See hatten ja zuvor noch die Hoffnung genährt, dass es da was werden könnte mit den Ausflug über den See.

Einen schönen und sehr appetitlichen Abschluss des ersten Reisetages bot das Abendessen im Hotel Heinzler. Waren doch die Weinfreunde vom Hellweg ab dem Mittag auf der A81 unterwegs, und auf dieser Piste mal badischen, mal schwäbischen Boden unter sich lassend, dem Bodensee entgegen geeilt, nicht jedoch ohne schon vorher mit den Dingen ihres Begehrens vertraut gemacht worden zu sein: Es waren primär die Weine der Bodenseeregion, derentwegen sie zu dieser Reise überhaupt aufgebrochen waren. Und schon vor der Ankunft in Immenstaad war ein Abstecher ins ehemalige Staatsweingut Überlingen eingeplant gewesen, bei dem der neue Besitzer, das Weingut Kress aus Hagnau die Reisenden mit einer guten Auswahl seiner Weine auf das Kommende eingestimmt hat. Ganz deutlich wurde da vom Kellermeister verkündet, dass das Weinangebot rund um den Bodensee sehr vielfältig sei, aber eine Rebe sich dort ganz besonderer Beliebtheit erfreuen würde, keine Geringere als der Müller-Thurgau. Das nicht ohne Grund, denn ihr Schöpfer war der berühmte Önologe Professor Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau – ein Zufall? Eben so wenig, wie das am späten Vormittag auf dem Rastplatz üppig und lecker kredenzte Frühstück vor Frankfurt. Es hat dabei nicht geregnet, es hat geschmeckt und welche Überraschung dazu: zu dieser Tageszeit war es wohl angetan auch miteinander anzustoßen, Prost zu sagen und sich auf die Reise zu freuen – natürlich mit Weinen vom Bodensee. Ein Müller-Thurgau war auch darunter!  Dass man an diesem Tage schon in aller Herrgottsfrühe aufgestanden war, war´s die Sache wohl wert. Und auch das war wohltuend zu wissen bei so vielen guten Weinen, es war immer der Bus dabei gewesen. –  So erinnert sich jedenfalls gerne Peter Schampera

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